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Musik gegen die Wolken
(...) Mit seinem Album „Bucket Full Of Blues“ hat er die überfüllte Piazza vor dem Museum Moderner Kunst fest in der Hand, spricht ihnen gute „vibes“ zu, ist aber selber das Epizentrum, das die Spannung bündelt und hält. Seine Band unterstützt ihn dabei nach Kräften, Bassist und Drummer spielen sich in ein unerreichbares Blues-Nirwana; Gitarre und Hammond-Orgel provozieren gelegentlich mit stark komprimierten Soli, die sich aber so ins Gesamtkonzept einfügen, dass Lee Sanders Raum bleibt für rotzige Saxofoneskapaden. Am Sonntag jagt der Wind noch ein paar Wolkenballen vorüber, doch mit der entspannt groovenden, teilweise recht behutsam artikulierten Bossa-Salsa-Mischung der neunköpfigen Bombeiros heizt schließlich auch die Sonne den Frühschoppen zu tropischer Wärme auf. (Frank Müller)
Passauer neue Presse vom 04.08.2008
Update für den Blues
Blues: „John Lee Sanders & The World Blue Band“, Count Davis Linz, 31. July
Brechend voll war am Donnerstag und gestern das Count Davis in Linz, als der Blues-Recke John Lee Sanders mit der World Blue Band aufspielte. Tropisch war das Klima im Jazzclub und hitzig die Sounds.
Sanders gibt dem Blues ein durchaus tragfähiges Update, betrachtet ihn durch die Brille von 50 Jahren Rockgeschichte, würzt ihn mit einer kräftigen Prise Funk. Das hat viel mit John Mayall und Alexis Corner zu tun, ohne deren Schaffen so illustre Bands wie Led Zeppelin oder Cream kaum denkbar gewesen wären. Aber auch mit Van Morrison und seinem seit Jahren erfolgreich praktizierten Crossover. Sanders spielt Klavier und erzählt Geschichten von den kleinen und großen Katastrophen der Liebe, von den „Crazy Nights“ und der „Midnight in New Orleans“.
Zuweilen greift er zum Tenorsaxophon, er bedient es schlicht, aber durchaus effektvoll. Ganz hervorragend die ihn begleitende Band: Frank Folgmann spielt eine entspannte Gitarre, seine Soli klingen knackig und frisch. Eine Sensation der steirische Jungstar Raphael Wressnig an der Hammond-B3-Orgel. Trocken und unsentimental sind seine Beiträge, die das applausfreudige Publikum regelmäßig in Ekstase versetzen. Gottfried Angerer und Jeff Boudreaux geben die felsenfeste rhythmische Basis. Die CD „Bucket full of Blues“ der World Blue Band ist soeben bei PAO Records erschienen. (haun)
OÖ Nachrichten 25.07.2008
SATTER GROOVE
Allein seine Stimme ist ein Erlebnis. John Lee Sanders ist aber auch noch Multiinstrumentalist und ein Musiker mit viel Seele, Herz und Gefühl. Das hört man.
Frank Folgmann, in Linz lebender Gitarrist, gehen die Superlative aus, wenn er über John Lee spricht. Die Begeisterung ist verständlich, hat aber bei aller musikalischen Klasse des Mannes einen ganz einfachen Grund. In Sanders’ Selbstverständnis von Musik findet sich genau das wieder, was Folgmann seit vielen Jahren begeistert. In dem Mann aus Louisiana schwingt genau jene Mischung aus Jazz, Blues und Funk, die Folgmann als seine Welt bezeichnet.
Gut, was haben nun Folgmann und Sanders gemeinsam? Sehr viel. Die beiden lernten sich 1997 kennen, als Folgmann für einen Gitarristen einspringen musste, um beim Lend-Festival in Marburg zu spielen. Dort traf er Sanders und beschloss, für den zu den gefragtesten Sessionmusikern der Westküste zählenden Sanders eine Band für Europa zusammenzustellen. Daraus entwickelte sich eine musikalische Freundschaft, die in der CD „Bucket Full Of Blues“ gipfelt.
Hinter der World Blue Band von John Lee Sanders steckt auch – richtig geraten – Frank Folgmann. Zudem gibt Raphael Wressnig der Orgel Sporen, der Linzer Gottfried Angerer spielt den Bass, Folgmann die Gitarre und Jeff Boudreau, an der Bruckneruniverstät Lehrender, das Schlagzeug. Herausgekommen ist ein pulsierender Sound, ein großartiges Album, das vom ersten bis zum letzten Moment groovt. Das wird man auch live zu hören bekommen. (rg)
Reinhold Gruber OÖ Nachrichten 25.07.2008
Zum großartigen Konzert von John Lee Sanders und der World Blue Band in Zachis Hinterhofkneipe
Wartenberg Vorgesehen war ein Konzert, aber dann wurde es eine Party. Und wie das manchmal bei Partys so ist, kamen einige nicht, die eigentlich vorgehabt hätten sich John Lee Sanders and the World Blue Band in Zachis Hinterhofkneipe anzuhören. Gedränge also nur auf der kleinen Bühne, auch wenn der Bandleader nicht sehr viel Platz wegnimmt. Aber schließlich hatte dieser Mann am Piano, der auch mal zum Saxophon greift und schon für Stevie Wonder, Little Richard oder Jimmy Page gespielt hat, vier Musiker und eine Sängerin mitgebracht. Das ergab einen fülligen Sound aus Rhythm&Blues, funkigem Rock und frisch-fröhlichem Blues, kurzum, es gab richtig gute Musik auf die Ohren. John Lee Sanders macht auf dem Piano und am Sax, was er will und er macht es richtig gut. Verblüfft außerdem mit einer Stimme, die keine Schwachstellen zu kennen scheint, auf irgendwelche Vergleiche mit Amerikanern afrikanischen Ursprungs soll an dieser Stelle allerdings mal verzichtet werden. Dass so viel Stimme in so wenig Körper Platz haben kann, ist jedenfalls erstaunlich. Und außerdem lugte bei dem Musiker aus Louisiana die Künstlermähne unter einem roten Barett hervor, der Verdacht, dass diese Mähne oberhalb der Nickelbrille schon eher etwas schütter ist, wurde im Laufe des Abends bestätigt. Sängerin Diana Jirkuf ist zwar um einige Lichtjahre jünger, aber sie hat nicht nur das bezauberndere Lächeln. Die Österreicherin hat eine markante Stimme, die auch Frauen erschauern lässt und den Wunsch förderte, dass der Boss wieder nach dem Saxophon greifen möge. Denn dann war der Moment für ihre Soli gekommen. Über ein Solo freute man sich allerdings auch bei Frank Folgmann, mit seiner klirrend harten Leadgitarre setzte der Essener weitere hörbare Akzente. Last but not least waren mit Gottfried Angerei am Bass und Helmar Hill an Piano und Hammondorgel zwei Österreicher zugange,, die eventuelle Vorurteile über unsere Landes-Nachbarn kräftig abbauten.Einen ungewöhnlichen Kontrast bot Drummer Jeff Boudreaux, in den USA ein gesuchter Schlagzeuger, der schon mit Liza Minelli, Lou Rawls oder Sammy Davis jr. zu hören war. Der Eindruck, dass er gleich einschlafen könnte, war falsch. Ganz im Gegenteil, er war akkurat und ausgesprochen schnell mit den Sticks unterwegs und sorgte damit für den richtigen Groove. Fazit: Wieder mal wirklich gute Musiker und ebensolche Musik beim Zachi und es haben wieder viel zu wenige mitgekriegt.
PETER B. HEIM (Süddeutsche Zeitung Juni 2001)
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