JLS & THE WORLD BLUE BAND
Zum großartigen Konzert von John Lee Sanders und der World Blue Band in Zachis Hinterhofkneipe
Wartenberg Vorgesehen war ein Konzert, aber dann wurde es eine Party. Und wie das manchmal bei Partys so ist, kamen einige nicht, die eigentlich vorgehabt hätten sich John Lee Sanders and the World Blue Band in Zachis Hinterhofkneipe anzuhören. Gedränge also nur auf der kleinen Bühne, auch wenn der Bandleader nicht sehr viel Platz wegnimmt. Aber schließlich hatte dieser Mann am Piano, der auch mal zum Saxophon greift und schon für Stevie Wonder, Little Richard oder Jimmy Page gespielt hat, vier Musiker und eine Sängerin mitgebracht. Das ergab einen fülligen Sound aus Rhythm&Blues, funkigem Rock und frisch-fröhlichem Blues, kurzum, es gab richtig gute Musik auf die Ohren. John Lee Sanders macht auf dem Piano und am Sax, was er will und er macht es richtig gut. Verblüfft außerdem mit einer Stimme, die keine Schwachstellen zu kennen scheint, auf irgendwelche Vergleiche mit Amerikanern afrikanischen Ursprungs soll an dieser Stelle allerdings mal verzichtet werden. Dass so viel Stimme in so wenig Körper Platz haben kann, ist jedenfalls erstaunlich. Und außerdem lugte bei dem Musiker aus Louisiana die Künstlermähne unter einem roten Barett hervor, der Verdacht, dass diese Mähne oberhalb der Nickelbrille schon eher etwas schütter ist, wurde im Laufe des Abends bestätigt. Sängerin Diana Jirkuf ist zwar um einige Lichtjahre jünger, aber sie hat nicht nur das bezauberndere Lächeln. Die Österreicherin hat eine markante Stimme, die auch Frauen erschauern lässt und den Wunsch förderte, dass der Boss wieder nach dem Saxophon greifen möge. Denn dann war der Moment für ihre Soli gekommen. Über ein Solo freute man sich allerdings auch bei Frank Folgmann, mit seiner klirrend harten Leadgitarre setzte der Essener weitere hörbare Akzente. Last but not least waren mit Gottfried Angerei am Bass und Helmar Hill an Piano und Hammondorgel zwei Österreicher zugange,, die eventuelle Vorurteile über unsere Landes-Nachbarn kräftig abbauten.Einen ungewöhnlichen Kontrast bot Drummer Jeff Boudreaux, in den USA ein gesuchter Schlagzeuger, der schon mit Liza Minelli, Lou Rawls oder Sammy Davis jr. zu hören war. Der Eindruck, dass er gleich einschlafen könnte, war falsch. Ganz im Gegenteil, er war akkurat und ausgesprochen schnell mit den Sticks unterwegs und sorgte damit für den richtigen Groove. Fazit: Wieder mal wirklich gute Musiker und ebensolche Musik beim Zachi und es haben wieder viel zu wenige mitgekriegt.
PETER B. HEIM (Süddeutsche Zeitung Juni 2001)